Blues gegen Winterblues

Klaus Brandl und Freunde gastierten in Schnaittach

 

Blues zum Jahresauftakt in der Schnaittacher Kapuzinerklause:

Klaus Brandl und Freunde sind ein probates Mittel gegen Winterblues – diesmal noch mehr, haben sie doch neben weichen, geschmeidigen Klängen auch Rhythm-and-Blues-Nummern im Gepäck.

Zum Einstieg bezeichnen sie sich als „Saddest Band in Town“, der ersten Nummer von Brandls aktueller CD „Diamonds from Dust“, die den roten Faden des Konzertes spinnt.

Nun könnten die üblichen Vergleiche mit amerikanischen Songpoeten folgen, die zwar alle irgendwie passen, aber dem typischen Brandl-Sound eben doch nicht ganz gerecht werden und an diesem Abend sprengt die Band die vorgezeichneten Klischees.

Nach zwei, drei weiteren Stücken in ruhigem Fahrwasser gibtsie Gas und wechselt auf die Überholspur. Curley Kauper, stimmlich so ziemlich das Gegenteil von Brandl, zieht ab und lässt ein paar saftige Rhythm-and-Blues-Nummern vom Stapel, bei denen die Füße kaum stillhalten wollen und die Hände mitklatschen. Da ist nicht mehr der leiseste Hauch von Melancholie, da rauscht abwechselnd Curleys sägende Mundharmonika oder sein druckvoller Gesang auf die Ohren zu, unterstützt vom Hämmern des Keyboards und schwirrenden Gitarrensaiten. In diese Kategorie zählen auch Kracher wie „I can´t be satisfied“ von Muddy Waters oder Willie Dixons „Little Red Rooster“.

Der gelegentlich übergangslose Wechsel zwischen den Stilen prägt das gesamte Konzert und hält den Spannungsbogen aufrecht. Dazwischen plaudert Klaus Brandl aus seinem Leben, erzählt humorvoll und mit einem Hauch schnodderiger Ironie, wie er als Straßenmusiker in Skandinavien sein Glück versuchte, oder schwelgt in Erinnerungen, musikalisch garniert mit Eigenkompositionen. Und obwohl Brandl keinen Titel von seiner geplanten neuen CD verrät, das stimmungsvolle „Koumeika Square“ könnte ein Tipp dafür sein. Wie gut Band und Publikum harmonieren, lässt sich an der Stille beim Titelsong der aktuellen CD erkennen, den Brandl seinem an Alzheimer erkrankten Vater gewidmet hat. Konträr dazu bringt die Combo mit „My Creole Belle“ von Arlo Guthrie fast die gesamte Klause zum Mitsingen.

Der Applaus nach fast drei Stunden feinster Bluesmusik macht klar: Heute Abend hatte der Winterblues null Chancen.

 

VINZENZ R. DORN

Pegnitz-Zeitung vom 15. Januar 2019