Der November ist mein Frühling

Klaus-Brandl-Band begeistert bei Eröffnungskonzert der neuen Weidener Kleinkunstbühne „Klein & Kunst“

Sein Vater hat ihm nicht viele Zitate hinterlassen. Aber eines hat sich eingebrannt in sein Gehirn: „Das Leben bricht jeden“. Da war der Nürnberger Klaus Brand zwölf Jahre alt. Der Spruch geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Kurz vor dem Abitur schmeißt er die Schule, wird Straßenmusiker in Skandinavien, bis er merkt, dass das Bier dort viel zu teuer ist.

Mit solchen Geschichten eröffnet der Singer/Songwriter am Donnerstag im Untergeschoß der Max-Reger-Halle die neue Kleinkunstbühne „Klein & Kunst“, die von der Weidener Kulturbühne aus der Taufe gehoben wurde. Was er mitbringt, das sind seine „Novemberschwere“, seine dunkle, rauchige Stimme, die an Tom Waits erinnert und seine erstaunliche Live-Qualität.

Blues als Religion

Die „Klein & Kunst“-Bühne ist wie geschaffen für diesen Zauber, der zukünftig einmal im Monat seine Fortsetzung finden wird. Für Brandl wird die Bühne zur Klagemauer. Seit Kindheitstagen ist der Blues eine Art Religion für ihn. Der Mann braucht weder Bass noch Trommelwirbel. Seine Akustik-Gitarre ist ihm Hilfe genug bei seinen gefühlvollen Balladen. Gekonnt rutschen die Finger den Gitarrenhals rauf und runter. Dann stimmt er plötzlich wieder die Saiten. Ein Wunder, dass die halten. Brandl ist ein Entertainer durch und durch. Seine ironischen Ansagen kommen bestens beim Publikum an. Die Stimmung könnte nicht besser sein. Auch wenn er manchmal mit seinem mal groovenden, mal schwermütigen „Getöse“ den Raum zum Erschauern bringt. Normalerweise ist er ja mit seinem Kumpel Chris Schmitt unterwegs. Aber der kränkelt. Stattdessen reist er mit seiner Band an, die es seit acht Jahren gibt: Willi Förtsch am Piano und Jim Durham am Saxophon.

Zusammen bilden sie ein eingespieltes Trio, das genügend Freiräume lässt und wunderbar harmoniert. Mittelmäßig seien seine Lieder, tiefstapelt der Mittelfranke. Blues, Songs Balladen, Instrumentals: mal schnell, mal langsam. „Weil ich halt ein depressiver Hund bin.“ Das ist ironisch gemeint. Im Blues muss eine Art Magie sein. Denn das Konzert ist mitreißend. Die Leute klatschen mit, schnipsen mit den Fingern oder lauschen nur andächtig. Brandl bringt Material aus seinen vier Alben: „November is my Spring“, „Night Songs“, „Twilight Limbo“ und „Trophy of Failure“.

Gelungener Auftakt

Viele Lieder sind instrumentale Nummern, dynamisch, mitreißend, begeisternd, virtuos, die dem Gitarristen alles abverlangen. Wenn Durham die verzwickt durcharrangierten Passagen fein abgestuft auf seinem Sax „bestäubt“, wollen diese Klänge nur noch mit geschlossenen Augen genossen werden.

Der Abend bietet viel Platz für Sentimentalitäten. Wer genau hinhört, dem drückt es bei „Diamond from Dust“ Tränen in die Augen. Der Song ist Brandls Vater gewidmet, erzählt von Alzheimer und Abschied nehmen. Zwei Stunden spielt die Klaus-Brandl-Band und verlässt nach drei Zugaben die Bühne. Ein gelungener Auftakt für „Klein & Kunst“.

Helmut Kunz  |  19.10.2013

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